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„Wird nur gefordert, nichts geboten" – die 7 häufigsten Glaubwürdigkeitsfehler in Handwerksanzeigen

„Wird nur gefordert, nichts geboten." Dieser Satz taucht in Handwerker-Communities immer wieder auf. Nicht als Ausnahme – sondern als Muster. Als Beschreibung von Stellenanzeigen die Bewerber lesen, kurz überlegen – und dann wegklicken.

Das Interessante daran: Die meisten Betriebe die solche Anzeigen schreiben, meinen es gut. Sie wollen ehrlich sein. Sie wollen zeigen was sie suchen. Aber sie vergessen dabei das Entscheidende – zu zeigen was der Bewerber bekommt.

Ich habe dutzende Stellenanzeigen und Karriereseiten aus Südbaden analysiert. Dabei fallen immer wieder dieselben sieben Fehler auf. Nicht als böse Absicht – sondern als blinder Fleck.

Wichtig vorab: Diese Fehler kosten keine Sichtbarkeit. Sie kosten Glaubwürdigkeit. Und wer nicht glaubwürdig wirkt, verliert den Bewerber – auch wenn er ihn gefunden hat.

Fehler 1: Anforderungen ohne Gegenleistung

Die häufigste Anzeige die ich sehe sieht ungefähr so aus: Fünf Punkte was der Bewerber mitbringen soll, zwei Punkte was er bekommt – wenn überhaupt.

Typisch

„Sie haben eine abgeschlossene Ausbildung, arbeiten selbständig, haben Führerschein Klasse B, sind teamfähig und belastbar."

Besser

„Sie arbeiten selbständig – und dafür stellen wir sicher dass Sie das nötige Werkzeug, klare Aufgaben und einen Ansprechpartner haben wenn's brennt."

Ein Bewerber der eine Anzeige liest stellt sich unbewusst dieselbe Waage vor: Was will der von mir – und was kriege ich dafür? Wenn eine Seite der Waage leer bleibt, neigt sie sich in die falsche Richtung.

Fehler 2: Behauptungen ohne Beweis

„Wertschätzendes Arbeitsklima." „Familiäre Atmosphäre." „Flache Hierarchien." Diese Sätze sind nicht falsch. Sie sind einfach nicht beweisbar.

Ein erfahrener Fachmann hat diese Sätze schon bei jedem Betrieb gelesen – auch bei denen bei denen es überhaupt nicht stimmte. Deshalb glaubt er ihnen nicht mehr.

Behauptung

„Familiäres Arbeitsumfeld mit kurzen Entscheidungswegen"

Beweis

„Wenn Sie ein Problem haben, sprechen Sie direkt mit Thomas – unserem Inhaber. Nicht mit einer HR-Abteilung, nicht mit einem Teamleiter. Mit Thomas."

Fehler 3: Überstunden und Rufbereitschaft verschweigen

Das ist der Fehler der am meisten Bewerbungen kostet – und der am leichtesten zu beheben ist.

Wenn eine Stelle Rufbereitschaft oder Überstunden beinhaltet und das nicht auf der Seite steht, nimmt ein Bewerber im Zweifel das Schlimmste an. Er denkt: Wenn die das verschweigen, ist es wahrscheinlich schlimm.

Wer es klar hinschreibt – auch wenn es nicht perfekt klingt – gewinnt Vertrauen. Wer es verschweigt, verliert den Bewerber bevor er überhaupt angerufen hat.

Verschwiegen

„Geregelte Arbeitszeiten in einem modernen Betrieb"

Ehrlich

„Rufbereitschaft gibt es – etwa alle sechs Wochen übers Wochenende. Dafür gibt es einen festen Zuschlag und Freizeitausgleich in der Folgewoche."

Fehler 4: Der nächste Schritt ist unklar

„Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung."

Wie genau? Per E-Mail mit vollständigen Unterlagen? Oder reicht ein kurzer Anruf? Muss ich einen Lebenslauf schicken oder reicht eine Nachricht mit meiner Erfahrung?

Jede Unklarheit erhöht die Hürde. Und je höher die Hürde, desto weniger Bewerber nehmen sie. Besonders gute Leute die bereits in Arbeit sind und nicht verzweifelt suchen – die lassen es dann einfach bleiben.

Unklar

„Senden Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen an [email protected]"

Klar

„Schreiben Sie uns kurz – was Sie machen, wo Sie gerade arbeiten und wann Sie könnten. Kein Anschreiben nötig. Wir melden uns innerhalb von zwei Tagen."

Fehler 5: Kein echtes Gesicht, kein echter Name

„Das Team von Muster GmbH freut sich auf Sie." Wer ist das Team? Wer liest meine Bewerbung? Mit wem telefoniere ich wenn ich anrufe?

Ein Name und ein Foto des Ansprechpartners – das klingt nach einer Kleinigkeit. Aber es ist einer der stärksten Vertrauenshebel den eine Stellenanzeige haben kann. Menschen bewerben sich bei Menschen, nicht bei Firmen.

Anonym

„Für Fragen steht Ihnen unsere Personalabteilung zur Verfügung."

Persönlich

„Fragen? Rufen Sie Michael an: 0761 123456. Er kennt den Job von innen – er hat ihn selbst sieben Jahre gemacht."

Fehler 6: Standards als Highlights verkaufen

Pünktliche Gehaltszahlung. Sicherer Arbeitsplatz. Kollegiales Team. Das sind keine Vorteile – das sind Mindestvoraussetzungen.

Wenn ein Betrieb diese Punkte als Highlights herausstellt, sendet er unbewusst ein Signal: Wir haben nicht viel mehr zu bieten. Oder noch schlimmer: Bei uns sind diese Dinge offenbar keine Selbstverständlichkeit.

Das Gegenteil von dem was man erreichen will.

Fehler 7: Die Seite wirkt auf dem Handy nicht

Mehr als 70 Prozent der Jobsuche findet abends auf dem Sofa statt – mit dem Handy. Wenn Texte zu klein sind, Buttons nicht funktionieren oder das Formular drei Bildschirmseiten lang ist, ist der Bewerber weg. Nicht weil er nicht interessiert wäre. Sondern weil es zu mühsam ist.

Ein einfacher Test: Öffnen Sie Ihre eigene Karriereseite auf dem Handy. Würden Sie das Formular ausfüllen?

Was all diese Fehler gemeinsam haben

Sie entstehen nicht aus Bösartigkeit. Sie entstehen weil Stellenanzeigen meistens aus der Perspektive des Chefs geschrieben werden – nicht aus der Perspektive des Bewerbers.

Der Chef denkt: Was brauche ich? Der Bewerber denkt: Was bekomme ich, und kann ich dem vertrauen?

Das ist der Perspektivwechsel der alles verändert. Nicht schönere Texte. Nicht mehr Reichweite. Sondern einmal konsequent aus Bewerber-Sicht schauen – und dann schreiben was man sieht.

Nicht schöner reden. Wahrer zeigen.
Christian Ermlich

Christian Ermlich

Ich analysiere Karriereseiten von Handwerksbetrieben in Südbaden mit einem einzigen Ziel: dass passende Bewerber erkennen warum es sich lohnt, genau dort anzurufen. Nicht durch schönere Texte – sondern durch ehrlichere.

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