In den letzten Monaten habe ich mir viele Karriereseiten von Handwerksbetrieben in Südbaden angeschaut. Nicht als Bewerber – sondern mit dem Blick von jemandem, der wissen will: Würde ich hier anrufen?
Die ehrliche Antwort: Meistens nicht.
Nicht weil die Betriebe schlecht wären. Oft ist das Gegenteil der Fall. Familienbetriebe mit jahrzehntelanger Geschichte, ordentlichem Werkzeug, fairen Chefs. Betriebe, bei denen man gerne arbeiten würde – wenn man wüsste, wie sie wirklich ticken.
Genau da liegt das Problem.
Das eigentliche Problem ist kein Reichweitenproblem
Viele Betriebsinhaber denken, sie brauchen mehr Sichtbarkeit. Mehr Anzeigen. Mehr Reichweite. Mehr Budget für Recruiting.
Ich sehe das anders.
Die meisten Handwerksbetriebe in Südbaden werden gefunden. Die Leute landen auf der Karriereseite. Sie lesen. Und dann klicken sie weg.
Nicht weil das Angebot schlecht ist. Sondern weil die Seite ihnen nicht zeigt, was sie wirklich wissen wollen.
Was Bewerber wirklich lesen – und was bei ihnen ankommt
In Handwerker-Communities im Internet tauchen immer wieder dieselben Formulierungen auf. Sätze die zeigen, wie Bewerber heute denken:
„30 Tage Urlaub sind Standard." „WhatsApp ist kein Benefit." „Wird nur gefordert, nichts geboten."
Das sind keine Nörgler. Das sind Fachleute, die genau wissen was auf dem Markt üblich ist – und die sofort merken wenn ihnen Standards als Besonderheiten verkauft werden.
Wenn auf einer Karriereseite steht: „Wir bieten einen unbefristeten Arbeitsvertrag, faire Bezahlung und ein tolles Team" – dann liest ein erfahrener Geselle daraus: Hier hat sich jemand keine Mühe gegeben.
Der Unterschied zwischen Behauptung und Beweis
Das ist der Kern von allem, was ich beim StellenText-Check untersuche. Die meisten Karriereseiten behaupten Dinge. Gute Karriereseiten beweisen sie.
Behauptung
„Wir schätzen unsere Mitarbeiter und legen Wert auf ein gutes Arbeitsklima."
Beweis
„Wir arbeiten in einem Team von 8 Monteuren. Überstunden werden im selben Monat ausgeglichen. Unser Chef Markus fährt selbst raus, wenn's eng wird."
Ein Bewerber der das liest denkt: Hier weiß ich, woran ich bin.
Die fünf häufigsten Fehler die ich sehe
1. Die Anforderungsliste ist länger als die Angebotsliste
Viele Seiten haben fünf Punkte was der Bewerber mitbringen soll – und zwei Punkte was er bekommt. Ein Bewerber der sich fragt „Warum soll ich gerade hier arbeiten?" findet auf solchen Seiten keine Antwort.
2. Der nächste Schritt ist unklar
„Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung." Wie genau? Per E-Mail? Formular? Reicht eine kurze Nachricht? Jede Unklarheit kostet Bewerbungen.
3. Arbeitszeiten und Überstunden werden verschwiegen
Das ist das Thema das Bewerber am meisten beschäftigt – und das auf den wenigsten Seiten klar beantwortet wird. Wer es klar hinschreibt, auch wenn es nicht perfekt ist, gewinnt Vertrauen.
4. Keine Persönlichkeit, kein Gesicht
„Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen mit langjähriger Tradition." Das könnte jeder Betrieb in Deutschland geschrieben haben. Was macht Ihren Betrieb konkret anders?
5. Die Seite ist auf dem Handy nicht nutzbar
Mehr als 70 Prozent der Jobsuche findet mobil statt. Abends, auf dem Sofa, mit dem Telefon. Wenn Buttons zu klein sind und Formulare zu lang – ist der Bewerber weg.
Ein Vorher/Nachher aus der Praxis
Vorher
„Wir sind ein modernes Unternehmen mit flachen Hierarchien und bieten unseren Mitarbeitern ein abwechslungsreiches Aufgabenfeld."
Nachher
„Sie arbeiten direkt mit unserem Meister Thomas zusammen. Montags besprechen wir gemeinsam die Woche. Freitags sind Sie pünktlich weg."
Kein Hochglanz. Kein Marketing. Aber ein Bewerber weiß danach: Hier ist jemand ehrlich.